Spiele erkennen und unterbrechen

mit Klaus Grochowiak

Spiele im Alltag

Mehr als 50 Prozent unserer Alltagskommunikation in der Familie, mit Freunden oder am Arbeitsplatz haben einen Spielcharakter. Das heißt, das offizielle Thema des Gesprächs ist nicht das, worum es wirklich geht. Solche Kommunikationsformen sind nervend, und am liebsten würden wir sie abbrechen, aber aus „Höflichkeit” machen wir weiter und tun so, als ob wir nichts merken. Solche Spiele zu erkennen – bei uns selbst und bei anderen – ist das Ziel des Seminars.

Vom Besserungskontrakt zum Heilungskontrakt

Schon Eric Berne, der Begründer der Transaktionsanalyse (TA), hat darauf hingewiesen, dass die meisten Klienten eher an einem Besserungskontrakt als an einem Heilungskontrakt interessiert sind. Sie wollen, dass der Therapeut ihnen hilft, ihre Lebenssituation erträglicher zu gestalten.

Ein Heilungskontrakt hingegen bedeutet: Ich tue alles, was mir irgend möglich ist, um die Basis des Problems vollständig zu lösen, auch wenn mir dies schwerwiegende Entscheidungen abverlangt. Und ich stelle mich den Konsequenzen.

Warum scheinbar erfolgreiche Therapien oft den Alltagstest nicht bestehen

Selbst wenn wir in der Therapie an den relevanten Traumata bzw. systemischen Verstrickungen erfolgreich gearbeitet haben, stellen wir oft fest, dass der Klient in der alltäglichen Kommunikation mit dem Ehepartner, den eigenen Kindern, den Kollegen, dem Chef, den Freunden weiterhin die Spiele spielt, die der kommunikative Ausdruck des ursprünglichen Problems sind und einen Versuch darstellen, dies zu kompensieren. Dadurch bestätigen sie sich immer wieder aufs Neue den alten Problemrahmen und hypnotisieren sich in eine scheinbare Aussichtslosigkeit.

Die Dynamik von Spielen im Therapie- und Coaching-Kontext

Da schon der Auftrag an den Therapeuten/Coach ein Spiel sein kann und die Interaktion des Klienten mit dem Therapeuten häufig Spielcharakter hat, ist es wichtig, diese sofort zu erkennen, zu verstehen und wirkungsvoll zu unterbrechen. Nur so kann die Therapie überhaupt zu einem sinnvollen Ziel führen.

Die Dynamik von Spielen im Seminar-Kontext

Auch in Seminaren können Spiele der Teilnehmer sowohl die Gruppenübungen erheblich stören, als auch die Kommunikation mit dem Trainer belasten. Es ist daher wichtig, um die Gruppendynamik nicht ins Sekundäre abgleiten zu lassen, so früh wie möglich die Spiele der Teilnehmer zu erkennen und zu unterbrechen.

Wachstum und Veränderung durch soziales Feedback

Nur weil wir im Rahmen der Therapie die Spiele erfolgreich unterbrechen, bedeutet das nicht, dass der Klient sie außerhalb dieses Kontextes nicht weiterhin – zu seinem eigenen Schaden – nutzt. Es gehört also zur Therapie selbst dazu, den Klienten dabei zu unterstützen, ein hohes Maß an Selbstehrlichkeit und Selbstreflexion zu entwickeln, sowie ihn dazu anzuhalten, sich aktiv soziales Feedback einzuholen.

Es gilt, diese Zeit außerhalb der Therapie selbst zu einem Teil des therapeutischen Prozesses zu machen.

Die Höflichkeitsregeln des Kollektivs

Wir haben in unseren Ausbildungen immer wieder erlebt, dass das Unterbrechen von Spielen für viele eine schier unüberwindbare Hürde zu sein scheint. Der Grund dafür ist unsere falsche Höflichkeitserziehung. Wir alle haben gelernt, dass es sich nicht gehört, das schmerzhaft Offensichtliche direkt anzusprechen. Wir sind sogar oft dafür bestraft worden und wir haben Angst, die Beziehung in eine Krise zu bringen, wenn wir zu ehrlich sind.

Sich aus dieser verlogenen Haltung zu befreien ist für Therapeuten und Coaches essenziell, wenn sie wirklich erfolgreich sein wollen.

Das Motto sollte lauten: Angemessen unhöflich statt unangemessen höflich.

Zielgruppe

Das Seminar richtet sich an alle, die ihre Kommunikationskompetenz verbessern, ihre eigenen Spiele entdecken und elegant und erfolgreich die Spiele anderer unterbrechen wollen.

Inhalte

  • Woran erkennt man ein Spiel?
  • Was ist der Hintergrund für Spiele?
  • Was ist die Struktur eines Spiels?
  • Die verschiedenen Härtegrade und Eskalationen von Spielen;
  • Welche Verstrickungen und Traumata führen zu welchen Spielen?
  • Was soll durch ein Spiel erreicht werden?
  • Die Höflichkeitsregeln des Kollektivs und wie man sich daraus befreit;
  • Wie viel Wahrheit verträgt der Mensch?
  • Wachstum und Veränderung durch soziales Feedback;
  • Das Erkennen der eigenen Spiele als Voraussetzung für die Arbeit mit den Spielen anderer;
  • Mit wem spielen wir eigentlich?
  • Selbstehrlichkeit;
  • Wie unterbricht man Spiele und vermeidet es, auf ein Spielangebot durch ein eigenes Spiel zu antworten?
Termine

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